Univ.-Prof. Dr. Andreas Karwautz

Jessica Antonis—Hunger nach weniger

Jessica Antonis, 2001, ISBN 380002795X. Überreuther Verlag.
Rezension von Kristina Kokta

Jessica Antonis Roman „Hunger nach weniger“ erzählt die Geschichte ihrer Magersucht. In ihrer unkomplizierten Sprache, lässt sie den Leser von Anfang an, an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Obwohl sie einfach nur ein bisschen abnehmen wollte um endlich auch einmal so schlank wie ihre Freundinnen zu sein, dauert es nicht lange, bis sie in die Anorexie mit allen ihren möglichen Begleiterscheinungen (Erbrechen oder Abführen der Nahrung, SVV, psychische Zwänge sowie Selbstmordgedanken) rutscht. Das Abnehmen wird zur Sucht und somit zum wichtigsten Bestandteil ihres Lebens. Um nicht essen zu müssen, belügt sie ihre Familie und Freunde und zieht sich immer mehr vor sozialen Kontakten zurück. Aus dem fröhlichem, kontaktfreudigem wird eine verschlossenes, depressives Mädchen. Niemand findet mehr einen emotionalen Zugang zu ihr. Jessica Antonis´ einziges Glücksgefühl ist es, am Morgen auf der Waage wieder eine niedrigere Zahl zu sehen, obwohl diese ihr nie niedrig genug erscheinen will. Dementsprechend bricht auch jedes Mal beinahe eine Welt für sie zusammen, wenn sie ein paar Gramm zugenommen hat und es ist ihre Bestätigung, noch mehr hungern und sich ähnliche Sanktionen aufzuerlegen, denn offensichtlich war sie ja zu faul und undiszipliniert gewesen. Schließlich wird sie gegen ihren Willen in eine Spezialklinik für Essstörungen eingewiesen, in der ihr nach und nach ihr selbstzerstörerisches Handeln bewusst wird und sie gegen ihre Magersucht zu kämpfen beginnt. Es kommt in diesem Erfahrungsbericht zwar nicht zu einem klassischen Happy End, aber es besteht zumindest Hoffnung darauf.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch nicht für Anorexiepatienten empfehlenswert, da man aufgrund der dramatisch genauen Sprache der Autorin sich auch immer wieder in die eigenen ehemaligen Gedanken zurückversetzt fühlen könnte. Besonders Eltern und andere Mitbetroffene bekommen durch diese Autobiographie aber einen guten Einblick in die Gedankenwelt einer Magersüchtigen.